Dienstag, 28. Oktober 2014

Halloween

Am 31.10.2014 ist Reformationstag. Das findet ihr nicht interessant? Ok, fangen wir noch einmal an: Die Nacht des 31.10.2014 ist Halloween. DAS ist schon viel interessanter, oder?

Das Feiern von Halloween kam über den großen Teich zu uns herübergeschwappt, also wie so vieles anderes aus Amerika. Aber dort war nicht der Ursprung. Der Brauch war ursprünglich vor allem im katholischen Irland verbreitet. Dort hatte man Halloweenbräuche, die seit der Keltenzeit beim Samhainfest geübt worden, kurzentschlossen in die christlichen Gepflogenheit integriert. Die irischen Einwanderer in den USA pflegten die Tradition in Erinnerung an die Heimat und bauten sie aus.

Das Wort Halloween entstand aus dem Begriff „All Hallows Eve“, zu deutsch „Allerheiligen“, das fest, das wir am 1. November feiern. Es ist ein Gedenktag für alle Heiligen, wie der Name schon sagt. Genau genommen für alle Heiligen, die keinen eigenen Tag haben – sozusagen die ganze mehr oder weniger unbekannte Gemeinschaft der Heiligen. Damit ist man dann auch auf der sicheren Seite, denn man weiß ja nie, wie ein Heiliger reagiert, wenn ihm niemals gedacht wird.
Diese Angst hatte wohl als Erster Ludwig der Fromme (logisch, bei dem Beinamen). Er führte das Fest Allerheiligen im fränkischen Reich schon im Jahr 835 ein. So wird an Allerheiligen traditionell der Gemeinschaft der Heiligen gedacht. Am 2. November an Allerseelen sollte durch Gebete und Fürbitten sowie durch Almosen das Leiden der Toten im Fegefeuer gelindert werden.

Damit war das Fest christlich verbrämt – tief in seinem Innern aber war es nach wie vor heidnisch. Die Kelten feierten an Halloween nämlich das Sommerende, der Einzug des Viehs in die Ställe. In dieser Zeit, so glaubte man, würden auch die Seelen der Toten zu ihren Heimen zurückkehren. Begangen wurde das Fest angeblich mit Freudenfeuern auf Hügeln (engl. bonfires, wörtlich Knochenfeuer; ursprünglich mit Bezugnahme auf das Verbrennen von Knochen des Schlachtviehs). Dieser Brauch lebte zunehmend auch unter den Christen wieder auf.

Es gab Gegenden, in denen man den Toten den Tisch deckte – und dann das Haus verließ. Die Toten konnten dann gemütlich unter sich sein und waren hoffentlich wieder weg, wenn die Familie zurückkam. Die Bewohner von Häusern, in denen derlei vergessen wurde, mussten mit dem Zorn der vernachlässigten Toten rechnen. Mehr oder weniger heftiger Schaden durch Racheübungen war dann die Folge.

Auch Verkleidungen, die der Vertreibung böser Geister dienten, waren üblich. Vielleicht wollte man aber auch von den bösen geistern einfach nicht erkannt werden.
Aber das war noch nicht alles! In dieser Nacht, in der die Grenze zwischen hier und der Anderwelt besonders dünn war, konnte man Hexen leicht erkennen. Schon weil sie in dieser Nacht besonders tief flogen, und die Reiser ihrer Besen dann leicht an den Freudenfeuern oder Kürbislaternen Feuer fingen. Wahrsagerei soll zu diesem Datum ebenfalls üblich gewesen sein.

Man kann die Anderwelt besuchen, wenn ihre Tore geöffnet sind. Das klappt am besten an besagtem Halloween, wenn ein Teil der Geister ausreitet und die Türen hinter sich offen lässt. Angst vor Dieben haben sie offenbar nicht.
Findet man nun z.B. einen Hügel sperrangelweit offen, kann man hineingehen, darf aber auf keinen Fall etwas von den dort angerichteten Speisen oder Getränken zu sich nehmen, denn sonst kann man nie wieder zurückkehren. Dass die Zeit in so einem Hügel anders abläuft ist anscheinend kein Problem, solange man den Hügel wieder verlässt, bevor er sich wieder schließt.
Wann er sich wieder schließt? Es kann beim ersten Hahnenschrei sein. Es kann aber auch schon eine Stunde nach Mitternacht geschehen. Oder er schließt sich ganz unvermutet, kurz, nachdem eine lauter Knall zu hören war.
Es kam noch keiner zurück, der gesicherte Auskunft geben konnte.


Halloween wurde, wie schon gesagt, ursprünglich nur in katholisch gebliebenen Gebieten der britischen Inseln gefeiert, vor allem in Irland, während die anglikanische Kirche am Tag vor Allerheiligen die Reformation feierte. Von dort kam es mit den zahlreichen irischen Auswanderern im 19. Jahrhundert in die Vereinigten Staaten und gehörte zum Brauchtum dieser Volksgruppe. Aufgrund seiner Attraktivität wurde es bald von den anderen übernommen und entwickelte sich zu einem wichtigen Volksfest in den Vereinigten Staaten und Kanada.
Der Brauch, Kürbisse zum Halloweenfest aufzustellen, stammt aus Irland. Dort lebte einer Sage nach der Bösewicht Jack Oldfield. Dieser fing durch eine List den Teufel ein und wollte ihn nur freilassen, wenn er Jack O fortan nicht mehr in die Quere kommen würde. Nach Jacks Tod kam er aufgrund seiner Taten nicht in den Himmel, aber auch in die Hölle durfte Jack natürlich nicht, da er ja den Teufel betrogen hatte. Doch der Teufel erbarmte sich und schenkte ihm eine Rübe und eine glühende Kohle, damit Jack durch das Dunkel wandern könne. Der Ursprung des beleuchteten Kürbisses war demnach eigentlich eine beleuchtete Rübe. Doch da in den USA Kürbisse anscheinend leichter zu haben waren, als Rüben, die groß genug für eine Kerze waren, höhlte man einfach einen Kürbis aus. Dieser Kürbis war seither als Jack O’Lantern bekannt. Um böse Geister abzuschrecken, schnitt man Fratzen in Kürbisse, die vor dem Haus leuchteten.

Halloween wird in Europa zunehmend als Anlass für Feste und Feiern gesehen, die sich thematisch an den amerikanischen Bräuche orientieren. Das Umherziehen der Kinder von Tür zu Tür, also das klassische „Trick or Treat“ - im Deutschen „Süßes oder Saures“ ist so ein Brauch. Er wird jedoch nicht an Allerheiligen, sondern in der Nacht davor, also am 31.10.2014 praktiziert. Kindergruppen gehen dabei von Haus zu Haus und fordern die Bewohner auf, ihnen Süßigkeiten zu geben, weil sie ihnen sonst Streiche spielen. Letztlich dürfte der schon erwähnte Brauch dahinterstecken, die Toten zu bewirten, damit sie einem nichts antaten.
Verkleidungen sind zu Halloween sehr beliebt. Dass sich die Kinder verkleiden, ist dabei ja irgendwie logisch. Schließlich wollen sie nicht erkannt werden, wenn sie einem geizigen Hausbewohner einen Streich spielen. Und sie stellen schließlich Tote dar, also sollten sie auch so aussehen.
Inzwischen verkleiden sich Kinder wie Erwachsene als Feen, Fledermäuse, Geister, Hexen, Kürbisse, Skelette, Zombies, Tote, Vampire und Ähnliches. Typische Halloweenfarben sind schwarz, orange, grau, weiß, gelb und rot.

Tja, und kommenden Freitag ist es wieder mal soweit. Macht euch bereit!

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