Dienstag, 21. Oktober 2014

Flammenwüste von Akram El-Bahay


Anûr, der Enkel eines großen Geschichtenerzählers, ist selbst ein begabter Erzähler. Unter dem Namen seines Großvaters gelangt er eines Tages in den Palast des Sultans und kann dort ein jahrhunderte altes Rätsel lösen. Damit beginnt für ihn ein großes Abenteuer, denn zusammen mit Prinz Masul und dessen Männern zieht er aus, um den letzten der Drachen zu jagen und zu töten. Der junge Geschichtenerzähler soll das Geschehen aufzeichnen und für die Nachwelt festhalten. Doch was ihn in der Wüste, wo der Drache sich versteckt hält, erwartet, hätte er sich nie zu träumen gewagt und es kommen langsam Zweifel, ob seine Entscheidung, sich der Drachenjagd anzuschließen, richtig war.

Mal wieder Standardfantasy: Junger Held zieht aus, um eine Queste zu erledigen und damit die Welt zu retten. Das habe ich mittlerweile schon so oft gelesen, dass ich es wirklich über habe.
Aber ich wollte dem Ganzen doch eine Chance geben, denn wenigstens spielte das Buch nicht wie üblich in einem Pseudomittelalter, sondern im Orient der Geschichten von 1001 Nacht. Voll Vorfreude auf das Buch sah ich verschleierte Schönheiten vor meinem geistigen Auge, Dschinns und Ifriten, erwartete eine blumige Sprache, nach orientalischen Gewürzen duftende Bazare, Kaffeehäuser in denen Männer lautstark parlieren, Öllampen und geheimnisvolle, versiegelte Behältnisse... was man sich eben so vorstellt, wenn man die Geschichten von 1001 Nacht gelesen hat.
Es ließ sich auch ganz gut an - mal abgesehen von der blumigen Sprache, was aber eigentlich ganz gut war. Nach ein paar Startschwierigkeiten konnten man sich gut in die Geschichte finden. Aber leider hielt die Erzählung bald nicht mehr, was der Anfang versprach und schon bald zog sie sich zunehmend in die Länge. Konsequentes Lesen ohne immer wieder einfach ein paar Seiten zu überspringen, wurde mühsam. Das ist schade, denn ein paar der Ideen, die der Autor hatte, waren wirklich gut, z.B. eine Bibliothek voller ungeschriebener Bücher und die Geschichte, wie sie dorthin kamen.

Ähnlich verhält es sich mit den Figuren. Nebencharaktere wie der junge Magier Fis oder der Sammler Hadukaba sind hervorragend gelungen. Die Hauptpersonen, allen voran Anûr dagegen nerven auf Dauer. 
Am Anfang ist Anûrs Unsicherheit verständlich und sympathisch. Auch sein Wunsch, ein Held zu werden, ist nachvollziehbar. Aber Selbstzweifel sollten eigentlich am Beginn einer Entwicklung stehen. Der Held sollte reifen und seine Bestimmung finden. Dass er sich beim Schlusskampf immer noch ständig fragt, ob er alles richtig macht, macht die Figur unglaubwürdig und zieht schnell die Sympathie ab. 
Leider ist es mit den anderen Protagonisten nicht besser.

Überhaupt liest sich das Ganze eher wie ein Jugendbuch, geschrieben von einem Teenager. Ich weiß jetzt nicht, wie alt der Autor ist, aber da es von ihm heißt, dass er als Journalist arbeitet, ist er wohl schon ein wenig älter. Trotzdem, mit etwas mehr Übung und einem guten Lektor kann er noch wunderbare Bücher schreiben, denn, wie schon gesagt, die Grundideen sind teilweise großartig.

So aber sind einfach nicht mehr als drei Sterne drin.

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