Dienstag, 9. September 2014

"Inspector Swanson und der Fluch des Hope-Diamanten" von Robert C. Marley


London 1893, Gordon Wigfield, ein ehrbarer Goldschmied und Damenfreund wurde in seiner Werkstatt auf bestialische Weise ermordet. Chief Inspector Donald Sutherland Swanson nimmt die Ermittlungen auf. Doch es bleibt nicht bei einer Leiche. Die Nachforschungen führen Swanson schließlich in die höchsten Kreise der Gesellschaft. Welche Rolle spielen Oscar Wilde und sein Geliebter Lord Douglas? Und was weiß Arthur Conan Doyle? Die Karten werden neu gemischt als sich herausstellt, dass der in den Kellern des Londoner Bankhauses Parr am Cavendish Square aufbewahrte „Blaue Hope-Diamant“ eine Imitation ist...

Das Buch fällt schon auf den ersten Blick auf: das Cover in Blautönen und dazu passend die Schnittkanten der Seiten tiefblau eingefärbt. Auch Schriftbild und Kapitel-Illustrationen sind stimmig und passen genau zu der viktorianischen Atmosphäre, die das Buch durchdringt. Doch auf der ersten Seite wird man wieder herausgerissen, als die Kinder ihren Vater fröhlich umrennen und mit „Daddy“ anreden. Gerade zu Zeiten Königin Viktorias war es jedoch üblich, gerade dem Vater mit Respekt zu begegnen und ihn dementsprechend „Sir“ zu nennen. Selbst bei den sehr raren freisinnigen Vätern wäre wohl kaum der amerikanische „Dad“ zum Einsatz gekommen, sondern eher „Pa“.
Aber die Verstimmung über diese Ungenauigkeit währt nicht lange, denn schon bald wird man hineingezogen die fesselnde Handlung.

Inspector Swanson hat es wirklich gegeben. Er hat seiner Zeit die Morde von Jack the Ripper untersucht, worauf leider ständig immer wieder angespielt wird. Hier könnte der Autor seinen Lesern schon mehr zutrauen, dass sie ein gutes Gedächtnis haben.
Auch sonst gibt es eine Menge Figuren im Buch, die wirklich gelebt haben – von Sherlock-Holmes-Erfinder Arthur Conan Doyle bis hin zu einem kleinen Mädchen, aus dem später die berühmte Agatha Christie werden wird.
Tatsachen und Fiktion sind gut gemischt und miteinander verwoben. Es ist spannend, Swansons Schritte zu verfolgen und mitzuraten, wer denn hinter der brutalen Mordserie steckt.
Die Lösung kommt dann ein wenig plötzlich und nicht so ganz unerwartet – was aber daran liegen kann, dass ich selber Krimis schreibe.

Ganz wunderbar fügt sich in die Handlung das Fachwissen des Autors, der ja selbst gelernter Goldschmied ist. Besonders angenehm ist dabei die niemals ausufernde Art, in der dieses Wissen einfließt.

Insgesamt war ich von diesem Debüt sehr angetan. Mal sehen, wie es weitergeht. Wie der Epilog verriet, wird es wohl keine weitere Swanson-Folge geben. Eigentlich schade, denn gerade dieser Inspector kam so lebendig und angenehm daher, dass man mehr über ihn lesen möchte. Ich ziehe es deshalb vor, nicht gleich uneingeschränkt davon auszugehen, dass man nie wieder von ihm hören wird.


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