Dienstag, 2. September 2014

Der böse Ort von Ben Aaronovitch


Seltsame Dinge geschehen im Skygarden Tower, einem berüchtigten Sozialwohnblock in Südlondon. Dinge, die eine magische Anziehungskraft auf Police Constable und Zauberlehrling Peter Grant ausüben. Zunächst geht es nur um ein gestohlenes altes Buch über Magie, das aus der Weißen Bibliothek zu Weimar stammt. Doch dann weitet sich der Fall rasant aus. Denn der Erbauer des Tower, Erik Stromberg, ein brillanter, wenngleich leicht gestörter Architekt, hatte sich einst in seiner Zeit am Bauhaus offenbar nicht nur mit modernem Design, sondern auch mit Magie befasst. Was erklären könnte, warum der Skygarden Tower einen unablässigen Strom von begabten Künstlern, Politikern, Drogendealern, Serienmördern und Irren hervorgebracht hat. Und warum der unheimliche gesichtslose Magier, den Peter noch in schlechtester Erinnerung hat, ein so eingehendes Interesse daran an den Tag legt.

In Teil 4 der Serie geht es ums Bauen. Ich hatte schon länger den Verdacht, dass der Autor Architekt ist oder zumindest mal werden wollte. Diesmal lebt er diese Liebe voll und ganz aus. Leider geht dabei die Handlung etwas unter, bzw. stellenweise ist sie fast gar nicht vorhanden. Auch die Spannung geht streckenweise verloren und alles ist ein wenig vorhersehbar. Bis auf den Schluss – den hätte ich so dann doch nicht erwartet.
Wie in den früheren drei Bänden erwartet der Autor leider auch dieses Mal, dass man den Stadtplan von London furchtbar interessant findet – ist es denn wirklich wichtig, wenn der Held von A nach B fährt, welche Straßen er dafür passiert?
Inzwischen ist es außerdem durchaus ratsam, die Vorgängerbände gelesen zu haben. Denn auch wenn es genau genommen ein Fall für sich ist, ist das Buch gespickt mit Anspielungen und Personen, die in den früheren Büchern mitgespielt haben. Und leider wird nicht mal ein Halbsatz darauf verschwendet, sie vorzustellen.

Wenigstens ist Peters Kollegin Lesley nicht mehr so überbordend vertreten. Mit ihrem 'Alles besser wissen' und 'Alles besser können' und 'Peter möglichst als Trottel hinstellen' hat sie mich doch ziemlich genervt. Sie weiß zwar immer noch alles besser, aber wenigstens handelt nicht mehr jeder zweite Satz davon.
Und dann gibt es auch diesmal wieder reichlich britischen Humor. Dieser trockene Humor ist so grandios und erfrischend, dass man die Stadtplantouren, Personenansammlungen und erzwungenen Architekturnachhilfen glatt verzeiht.
Dazu kommt, dass Aaronovitchs Charaktere, ob sympatisch oder nicht, einfach lebendig sind. In vielen Büchern dieser Art sind sie oft nur holzschnittartig angelegt, bei Aaronovitch atmen sie Leben, entwickeln sich weiter und ändern sich sogar mal radikal. In seine Bücher kann man eintauchen, mit den Helden mitfiebern, den 'Bösen' die Pest an den Hals wünschen... man wird es stets aus vollem Herzen tun.
„Der böse Ort“ hat also unübersehbar seine Schwächen. Aber er hat auch große Stärken und letztlich kann ich sagen, dass mich die Lektüre großartig unterhalten hat.


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