Dienstag, 26. August 2014

Der Gaffer von München - ein Straßenmusikant

Servus, Fremda – willkomma in unsarer Stod. Huhu! Na, da nebn dia wirst'd mi ned findn. Schau amoi nach obn. Ned so weid obn – i fliag ned im Himml. Schaug aufs Haus voa dia. Iba den Schaufensterauslogn – des oidmodisch Gwand da drin is eh nix fia di – no a bisse höha, a bisse mehr nach links ... Na oiso. Ja, i bins, der da mit dia redt! Servus, Grüassdi und Haubedehre.
Fois es dia no ned aufgefoin is, du stehst voa dem berühmtn Nein Rathaus do in Minga, auf dem Mareanplatz und nebn'm Fischbrunna. Jojo, i sog Neis Rathaus, es is nämli noch garnet so oid, wia's ausschaugt – Neogotik sogt ma dazua. Des Rathaus is fei wesentli größa, ois ma zerscht amoi moanad. Des ganze doda aus Bog- und Muschelkalkstoa hod nämli sechs Innenhöf. Auf oana Flächa von 9159 m² hand 7115 m² ibabaut. Na, is des a Huif? I weiß aba no vui mehra! De fast 100 m lange Hauptfassadn zuam Mareanplatz hin is rei gschmückt. 'S hod do den Welfenherzog Heinri den Löwn und fast de gsamte Reih vom Wittelsbacha Herrscherhaus in Bayern und is da umfangreichste Fiastenzyklus an am deitschn Rathaus. Ois zentrals Denkmoi in da Mitt von da Hauptfassadn zwischn de beidn Bauobschnittn am Mareanplatz oberhalb vom Wachahaus is a Reiterstandbild vom Prinzregentn Luitpold z'seng. An da Hauptfassadn am Mareanplatz und ano do in da Weinstraß han Minchna Oaiginale, neigotische Wasserspeia in da Foam von Fratzn und Maskn, oiegoaische Bilda, Gschichtn ausm Lebn von Heilign und volksbekannte Sogengestaltn zua entdeckn. Ja, und da Wasserspeia voan links an da Seite zuar Burgstrasse, schräg unterhalb von Kurfiast Ferdinand Maria – as bin i!
Stimmt scho, i bin a Spuimo, a Straßnmusikant. Mit meina Gitarr spuie i den andern Wesn do auf, wenns ganz staad is und's neamand sicht. Do geht's dann houch her bei uns. I will mi ja ned selba lobn, aba i bin gar ned so schlecht auf meinm Instrument – as sicht man ja scho do dro, dass mei Sammebux voia Münzn is, ned wahr? Guad, manchmoi spuie i aa ned oloa, a Madl des Flötn spuilt, a Lautespuia, a Drommla – um bloß a baar znenna – hand aa no do. Ibahaupt hobn mia so ziemli ois, was as Herz begehrt. A Haufa Adlige natürli, aba aa oafache Handwerka, wia zuam Beispui an Bäcka. Mogst eba liaba Viecha? Bitt schee! Mia hobn do Affa und Löwn, Hund, Gansal, Euln, Eidechsn, Hirsch, Ziegn und so weida bis zua am Pfau. Aa da Froschkönig is do, an oana Säuln im Durchgang, damit er ned nass werd. Und dann han da aa no a Meng Foblviecha. Jo, da berühmte Dracha is da ned da oanzige! Der steht fei fiad Pest, de amoi in Minga war. Wennst dia as Reliaf oschaugst, zua dem er houchrumpet, der Dracha, werst rechts sogar de Schäffla seng, de si nachert noch dera Seicha ois erste wieda aus dem Haus draut hom und glei no ihrn Tanz erfundn hom, den's no heid imma um Viertl nach Elfe zuam Gloggenspui aufführn. Weniga bekannt is, dass auf der Boadür, iba de da Dracha kraxelt, de Emotiona dargestäit han: Freid, Ibaraschung, Draua – bloß n Zoan konn man ned seng, weil do da Dracha driba hängt. Freili, i wäre bestimmt aa wütend, wenn mir so a Drachaviech ständig de Sicht verdecka dad.
Ibahaupt han mia a illustera Hauffa, sogar Hexn gibt's, auf am Reliaf im zwoatn Stogg, de auf Ziegenböck zua Walpurgis reitn. Schau da de Fassade von unserm Rathaus oiso ruhig moi gscheid o. Du werst di wundern …

Für alle Nichtbayern hier eine Übersetzung:
Hallo, Fremder – willkommen in unserer Stadt. Huhu! Nein, da neben dir wirst du mich nicht finden. Schau mal nach oben. Nicht so weit oben – ich schwebe nicht im Himmel. Schau auf das Gebäude vor dir. Über den Schaufensterauslagen – die konservative Mode da drin ist eh nichts für dich – noch ein bisschen höher, ein bisschen mehr nach links … Na also. Ja, ich bin das, der da mit dir redet! Servus, Grüaßdi und HabedieEhre.
Falls es dir noch nicht aufgefallen ist, du stehst vor dem berühmten Neuen Rathaus hier in München, auf dem Marienplatz und neben dem Fischbrunnen. Jaja, ich sagte Neues Rathaus, es ist nämlich noch gar nicht so alt, wie es aussieht – Neogotik nennt man das. Dieses Rathaus ist übrigens wesentlich größer, als es jetzt erst einmal den Anschein hat. Der ganze Komplex aus Back- und Muschelkalkstein besitzt sechs Innenhöfe. Auf einer Grundstücksfläche von 9159 m² sind 7115 m² überbaut. Na, ist das ein Service? Ich weiß aber noch viel mehr! Die fast 100 m lange Hauptfassade zum Marienplatz hin ist reich geschmückt. Sie zeigt den Welfenherzog Heinrich den Löwen und fast die gesamte Linie des Wittelsbacher Herrscherhauses in Bayern und ist der umfangreichste Fürstenzyklus an einem deutschen Rathaus. Als zentrales Denkmal in der Mitte der Hauptfassade zwischen beiden Bauabschnitten am Marienplatz oberhalb des Wachenhauses ist ein Reiterstandbild des Prinzregenten Luitpold zu sehen. An der Hauptfassade am Marienplatz und an der in der Weinstraße sind Münchner Originale, neugotische Wasserspeier in Form von Fratzen und Masken, allegorische Bilder, Themen aus dem Leben von Heiligen und volkstümliche Sagengestalten zu entdecken. Ja, und der Wasserspeier vorne links an der Seite zur Burgstraße, schräg unterhalb von Kurfürst Ferdinand Maria – das bin ich!

Ganz recht, ich bin ein Spielmann, ein Straßenmusikant. Mit meiner Gitarre spiele ich den anderen Wesen hier auf, wenn es ganz still ist und uns niemand sieht. Dann geht es hoch her bei uns. Ich will mich ja nicht selber loben, aber ich bin gar nicht so schlecht auf meinem Instrument – das sieht man ja schon daran, dass meine Sammelbüchse voller Münzen ist, nicht wahr? Gut, manchmal spiele ich auch nicht allein, eine Flötistin, ein Lautespieler, ein Trommler – um nur einige zu nennen – sind auch noch hier vertreten. Überhaupt haben wir so ziemlich alles, was das Herz begehrt. Jede Menge Adlige natürlich, aber auch einfache Handwerker, wie zum Beispiel ein Bäcker. Bevorzugst du Tiere? Bitte sehr! Wir haben hier Affen und Löwen, Hunde, Gänse, Eulen, Eidechsen, Hirsche, Ziegen und so weiter bis hin zu einem Pfau. Auch der Froschkönig ist da, an einer Säule im Durchgang, damit er nicht nass wird. Und dann sind da auch noch allerlei Fabeltiere, Jaja, der berühmte Drache ist da nicht der einzige! Er steht übrigens für die Pest, die mal in München herrschte. Wenn du dir das Relief ansiehst, zu dem er hochklettert, wirst du rechts sogar die Schäffler sehen, die sich nach der Seuche als erste wieder aus dem Haus trauten und dabei ihren Tanz erfanden, den sie noch heute immer um Viertel nach Elf zum Glockenspiel aufführen. Weniger bekannt ist, dass die Bordüre, über die der Drache kraxelt, die Basisemotionen dargestellt sind: Freude, Überraschung, Trauer … nur den Zorn kann man nicht sehen, weil da der Drache drüber hängt. Nun, ich wäre wohl auch wütend, wenn mir so ein Drachenleib ständig die Sicht verdeckt.
Überhaupt sind wir ein illusterer Haufen, sogar Hexen gibt es, auf einem Relief im zweiten Stock, die auf Ziegenböcken zu Walpurgis reiten. Schau dir die Fassade unseres Rathauses also ruhig mal genauer an. Du wirst dich wundern ...


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