Dienstag, 22. Juli 2014

Vatikan - Die Hüter der Reliquie von Antonia Günder-Freytag


Noch ein Vatikan-Thriller? Nein.
Dann ein historischer Roman! Nein.
Vampire? Ja, schon. Aber wer jetzt auf einen schmachtende Jungfrau wartet, die einem unheimlich gutaussehenden Vampir an die Brust sinkt, liegt schon wieder falsch.
Dieses Buch ist völlig anders.
Es beginnt in unserer Gegenwart, als der sympathische alte Pater Andrea Comitti, seines Zeichens Archivar des Vatikans, in der Post einen Brief findet. Er staunt nicht schlecht, als er feststellt, dass solche Briefe – alle unterschrieben mit 'Apollonia' – schon seit dreihundert Jahren im Vatikan eintreffen. Er glaubt an einen Scherz, forscht aber trotzdem weiter nach. An seiner Seite ist dabei der Sicherheitschef des Vatikans, Michail Arconoskji. Nicht, weil Comitti in ins Vertrauen zieht – der Sicherheitschef ist ihm eher unheimlich – sondern weil der von sich aus ebenfalls Interesse an den Briefen hat.
Nachts allein in des Paters Zelle lesen die beiden die Biografie einer gewissen Lucienne, die dem neuesten Brief beiliegt. Der Leser liest mit und taucht ein in die damalige Zeit vor Hunderten von Jahren. Die Autorin wechselt dabei sehr geschickt zwischen den beiden Erzählebenen, so dass man sich nie in einer davon verliert.
Es stellt sich heraus, das niemand geringerer als die heilige Apollonia in den Briefen vor ihrem eigenen Sohn warnt, einem Halbvampir. Der hat sich nämlich nichts geringeres vorgenommen, als die Weltherrschaft. Der Mönch, die Geheimdienstchef und der Leser erfahren nach und nach mehr über eine ganz erstaunliche Geschichte. Und Pater Comitti muss sich der Erkenntnis stellen, dass sein Schicksal eng damit verknüpft ist.

Ich weiß nicht, ob die Kirche es gutheißen würde, dass einer ihrer Heiligen so enge Verbindungen zum Vampirismus nachgesagt werden. Für die mit der Ikonografie nicht so vertrauten: Die Hl. Appolonia stammt angeblich aus Ägypten und erlitt im 3. Jh. das Märtyrertum – angeblich riss man ihr alle Zähne aus und wollte sie verbrennen. Sie sprang letztlich freiwillig auf den Scheiterhaufen (nicht ganz unverständlich bei den Schmerzen). Dargestellt wird sie meistens als hübsche Jungfrau mit einer Zange in der Hand, in der noch ein Zahn steckt.
Der Gedanke, diese Heilige mit Vampiren in Beziehung zu setzen, ist ziemlich kühn. Und großartig. Denn was ist das Auffälligste an einem Vampir? Richtig: Die spitzen Zähne.
Was die Autorin aus dieser Grundidee gemacht hat, ist spannend und originell zugleich. Immer wieder überraschen neue Wendungen, werden nach und nach Rätsel gelöst und anfangs nur lose Handlungsstränge komplex verbunden.
Die Sprache ist der jeweiligen Zeit angepasst, ohne es zu übertreiben. Der Stil ist flüssig und mitreißend. Es wird nie langweilig.
Kurz und gut: Die Autorin liefert mit diesem Roman ein beeindruckendes Debüt, das Lust auf mehr macht. Und der Schluss des Buches brüllt geradezu nach einer Fortsetzung!!!
Absolute Leseempfehlung!



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