Dienstag, 15. Juli 2014

Unabhängigkeit verpflichtet

Warum es so wichtig ist, dass Self-Publisher sich Mühe geben

Ich erlebe es immer wieder: Jemand kauft mein Buch als eBook oder als Taschenbuch und schreibt mir hinterher so etwas wie „Seltsam, dass kein Verlag so ein gutes Buch haben wollte.“
Tja, es ist immer noch eine weitverbreitete Meinung, dass Self-Publishing (ich mag den Begriff ja eigentlich nicht. Aber er hat sich eingebürgert, also bleiben wir mal dabei) nur für Bücher ist, die keinen Verlag gefunden haben.
Ich fürchte, diese Meinung wird sich auch noch länger halten. Denn zugegebenermaßen gibt es einen Haufen Bücher auf dem Markt, die einfach furchtbar sind. Bücher ohne Lektorat oder wenigstens Korrektorat und/oder mit fürchterlichen Cover.

Einen Lektor zu beauftragen ist natürlich teuer. Wenn er 9 Euro pro Seite verlangt (was günstig ist) und mein Roman hat 300 Seiten, dann ist da schnell eine ziemliche Summe beisammen, die man sich erst leisten können muss. Aber der Aufwand ist jeden Cent wert. Denn einem Laien ist es nun einmal kaum möglich, einen Text nur auf Fehler zu lesen, ohne irgendwann von der Handlung fortgerissen zu werden. Und als Autor den eigenen Text zu lektorieren ist kaum möglich. Man hat den Text selbst geschrieben, also weiß man, was da stehen sollte. Und das sieht man dann auch – Buchstabendreher zum Beispiel fallen nicht auf. Das Korrekturprogramm der verwendeten Software hat auch seine Grenzen.
Ganz abgesehen davon, das logische Fehler vom Programm gar nicht wahrgenommen werden können. Und der Autor wird sie auch nicht bemerken, sonst hätte er den Text ja gleich anders geschrieben.

Und das Cover? Ich gebe zu, nicht jeder hat das Glück, eine(n) so geniale(n) Grafiker(in) an seiner Seite zu haben wie zum Beispiel ich mit Chris Schlicht bei meiner Krimireihe „Erkül Bwaroo ermittelt“.
Natürlich ist es einfacher, für das Cover einfach ein Bildchen vom letzten Urlaub zu verwenden, statt sich mal die Zeit zu nehmen, sich andere Cover anzuschauen und sich ernsthaft zu fragen, welches einem gefällt und welches nicht und wie man positiv aus der Masse herausstechen könnte. Das Cover ist bei rund 75 Prozent der Menschen wesentlich für die Kaufentscheidung. Da sollte man schon entsprechend Wert darauf legen.
Eine gute 6-Punkte-Liste zu diesem Thema gibt es übrigens hier: http://www.epublizisten.de/2012/06/6-tipps-zur-covergestaltung/

Gut, es gibt auch Bücher von Verlagen, die so vor Fehlern strotzen, dass sich einem der Magen umdreht oder bei denen man sich ernsthaft fragt, welcher Albtraum für das Titelbild verantwortlich war. Aber das ist nicht der Punkt. Wer sein Buch selbst herausbringt, muss sich schließlich nicht mit einem schlechten Lektorat oder einem hässlichen Cover abfinden. Ein unabhängiger Autor, der seine Bücher selbst verlegt, ist nämlich vor allem eines: unabhängig.

Diese Unabhängigkeit ist der Grund, warum ich zum Beispiel meine Texte gar nicht erst einem Verlag anbiete. Gerade was das Cover oder die Wahl des Buchtitels angeht, habe ich bei einem Verlag schon ziemlich schlechte Erfahrungen gemacht. Klar, der Verlag will eine Aufmachung, die sich gut verkauft. Ich will eine Aufmachung, die widerspiegelt, was das Buch enthält. So komisch das klingt: Nicht immer lässt sich das eine mit dem anderen verbinden. 
Wenn ich das Buch aber selbst herausbringe, heißt es genau so, wie ich das will und das Cover sieht genauso aus, wie ich das gut finde. Und auch die Innenausstattung des Buches und der Klappentext entspricht einzig meinen Vorstellungen. So wurden zum Beispiel in meinem Buch „Welcher Naturgeist ist das? Eine Art Bestimmungsbuch“ die über hundert Illustrationen allein von mir ausgesucht und zusammengestellt.

Wenn dann so ein Buch fertig vor einem liegt, kann man mit Recht behaupten „Das ist ganz und gar meines.“ Ich kann Ihnen versichern, das ist ein schönes Gefühl.
Aber es ist harte Arbeit. Nicht nur das Schreiben. Der ganze Rest ist genauso zeitaufwendig. Sind noch Bilder oder Grafiken einzupassen, braucht man für diese Nacharbeit schnell sogar länger, als es dauerte, das ganze Buch zu schreiben.

Und damit sind wir bei dem Punkt, der mich bei vielen Self-Publishern so maßlos ärgert. Sie haben ein Buch geschrieben; Zeit, Mühe und Hirnschmalz dafür aufgewendet. Und dann machen sie das mal eben zu einem eBook, schlampen noch schnell irgendein Cover zusammen und stellen es zum Kauf. Womöglich noch in der Erwartungshaltung, dass es ein Bestseller wird.
Geht’s noch? Wie kann man mit seinem geistigen Kind denn so umgehen? Das Buch ist für den jeweiligen Autor doch sicher das beste, das jemals zu diesem Thema geschrieben wurde, oder? Ist es dann nicht die Mühe wert, es in die bestmögliche Form zu bringen?

Dieses schnell irgendwie hinschludern ist es, das mich auf die Palme und das Self-Publishing in Verruf bringt. Das müsste nicht sein. Denn eigentlich ist gar nicht so schwer, ein ansprechendes – und lesbares – Buch hinzubekommen.
Im Internet gibt es eine Fülle von guten Ideen und Ratschlägen dazu. Sehr zu empfehlen ist zum Beispiel die Self-Publisher-Bibel von Matthias Matting.
Auch im Literaturcafé gibt es so manchen Tipp.

Wenn jeder verlagsunabhängige Autor ein bisschen mehr Mühe und Zeit in die Optik seines Buches investiert, würde es solche Sätze wie den eingangs genannten, bald nicht mehr geben. Self-Publishing würde für originelle Ideen und für Vielfalt stehen und würde zur idealen Anlaufstelle für alle, die Lektüre unabhängig vom Mainstream suchen. Das wäre doch herrlich, nicht?

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