Dienstag, 1. Juli 2014

Honor Harrington: "Superdreadnought" und "Schatten der Freiheit" von David Weber

Unser heutiger Gastrezensent ist Michael Berner:



David Weber
Honor Harrington: Superdreadnought
erschienen bei Bastei Lübbe

Honor Harrington ist eine Military-Science-Fiction-Romanserie des US-amerikanischen Autors David Weber und zugleich auch der Name der Hauptfigur der Serie. Die Handlung ist im 41. Jahrhundert angesiedelt. Die Menschheit hat haufenweise Planeten besiedelt und neue Staaten gegründet. So auch das Sternenkönigreich von Manticore, in dessen Diensten die Hauptfigur, Honor Stephanie Harrington, als Offizier der „Royal Manticoran Navy“ steht. In dieser Funktion muss sie im Lauf der chronologisch angeordneten Romane verschiedene Herausforderungen bewältigen; diese liegen sowohl in den Schlachten eines interstellaren Konfliktes mit der Volksrepublik Haven als auch in gesellschaftlichen Dingen und auf dem Parkett der nationalen und interstellaren Politik. Der Leser verfolgt dabei Honor Harringtons Aufstieg sowohl in ihrer militärischen als auch gesellschaftlichen Laufbahn. Entsprechend werden die Dimensionen der Handlungsstränge immer umfangreicher – beschränken sie sich zu Beginn auf relativ kleine Bereiche, so entscheiden Honors Entscheidungen später praktisch über das Schicksal ganzer Flottenverbände und Sternensysteme.
Und das ist auch das Problem dieser Reihe. War die Serie anfangs wirklich gut geschrieben, wird die Handlung inzwischen durch Rückblenden und seitenlange Wiederholungen und Erklärungen künstlich in die Länge gezogen. So ist das auch bei dem neuesten Band Honor Harrington: Superdreadnought.
Würde man eine Art Lexikon mit den Standarderklärungen herausgeben, wäre das wesentlich sinnvoller. Allerdings bliebe dann von dem Roman höchstens noch ein Romanheftchen übrig. Mehr Handlung hat die Folge nämlich nicht. Kann es vielleicht sein, dass dem Autor nichts mehr einfällt? Dann wäre es doch wohl besser, statt dieser Zeilenschinderei die Serie ordentlich zu beenden. Da das aber nicht der Fall ist, drängt sich dem Leser ein Gedanke auf: Hier steht einzig der Profit im Vordergrund.
Schade.
Und dann noch etwas: Wer kam nur auf diesen Titel?
Anfang des 20. Jh. wurde das englische Kriegsschiff HMS Dreadnought („Fürchte nichts“) gebaut. Es war wesentlich besser gepanzert als die bisherigen Linienschiffe und ihnen auch an Schnelligkeit und Bewaffnung überlegen. Nach dem Vorbild dieses Schiffes schuf man die Dreadnoughtklasse. Aus deren Schiffen wiederum entstand dann später die Superdreadnoughtklasse. Nun sollt man ja meinen, dass in einem Buch, das „Superdreadnought“ heißt, auch Superdreadnoughts vorkommen. Tun sie aber nicht.
Und so fragt man sich bald, wie es denn zu diesem bemerkenswert unpassenden Titel kommen konnte.
Alles in allem bin ich von diesem Buch sehr enttäuscht und ich überlege ernsthaft, ob ich diese Serie noch weiter lesen soll.
Zwei von fünf Sternen scheinen da bestenfalls angemessen.



David Weber
Honor Harrington: Schatten der Freiheit
erschienen bei Bastei-Lübbe


Admiral Michelle Henke ist Honor Harringtons beste Freundin und eine der wichtigsten Kommandantinnen der Flotte. Sie hat der "unbesiegbaren" Flotte der Solaren Liga eine schmachvolle Niederlage beigebracht. Doch trotzdem gehen die Kämpfe in dem Raumgebiet weiter. Selbst die besten Geheimdienstler der Galaxis wissen nicht, wer hier eigentlich auf wen schießt. Inmitten dieser Wirren sieht Michelle Henke sich plötzlich gezwungen, das Feuer auf eine unbekannte Flotte zu eröffnen mit ungeahnten Konsequenzen, denn bald muss sie sich entscheiden zwischen ihren Befehlen oder einer Rebellion ...
Tja, was soll ich sagen – das Buch ist nicht nur sozusagen Teil 2 von Superdreadnoughts, es hat auch dieselben Probleme. Ich habe es gelesen, weil ich David Weber zubilligen wollte, dass er mal einen Durchhänger hatte. Nach zwanzig Jahren mit ein und derselben Serie ist das ja auch mal drin. Aber nein, künftig werden wohl alle Romane dieser Reihe so aussehen.
Endlose Dialoge, die weder witzig noch erhellend sind. Dafür immer weniger Raumschlachten und andere Action. Weitschweifige Erklärungen. Nun, im Gegensatz zum Autor der Bücher will ich mich nicht wiederholen.
Kurzum, diese Serie läuft sich gerade tot, und dies war der letzte Band, den ich gelesen habe.
Mein Urteil zu diesem Band fällt dementsprechend noch schlechter aus, als für den davor: Ein Stern, mehr nicht.


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