Dienstag, 22. April 2014

Einhörner




Das Einhorn ist ein Wesen, das angeblich nur aufgrund eines Übersetzungsfehlers in der Bibel, genauer gesagt im Alten Testament entstand. Denn als der hebräische Text im dritten Jahrhundert vor Christus ins Griechische übertragen wurde, übersetzte man das "Re'em"als "Monokeros", zu deutsch "Einhorn". Dieses "Ur-Einhorn" hatte jedoch mit dem anmutigen Wesen, das wir heute mit einem Einhorn assoziieren, wenig zu tun: Kräftig, gedrungen und wild war es! Wie wir heute wissen, handelte es sich beim Bibel-Einhorn um nichts anderes als um einen Auerochsen. Der hat freilich eigentlich zwei Hörner. Aber möglicherweise erinnerte sich der Übersetzer das "Re'em" an eine Zeichnung oder Wandbemalung. Da zu jener Zeit jedoch vornehmlich in der Profilansicht - also von der Seite - gezeichnet wurde, war häufig nur eines der beiden Hörner zu erkennen.Wie auch immer. Unser Einhorn steht jedenfalls nciht in der Bibel.
Es gibt auch die Hypothese, dass der Ursprung des Einhorns in Rindern oder Ziegen liegt, denen man im Orient des 3. vorchristlichen Jahrhunderts zu Schmuck- oder kultischen Zwecken in jungen Jahren die Hörner zusammenband, so dass diese im Laufe der Jahre scheinbar zu einem einzigen Horn zusammenwuchsen. Das könnte auch die gespaltenen Hufe und den „Löwenschwanz“ erklären, die besser zu einem Paarhufer als zu einem Pferd passen.

Ganz so einfach kann es aber eigentlich nicht gewesen sein, denn es war den Menschen schon vor dem Christentum bekannt – genauer gesagt seit etwa 5000 Jahren und nicht nur hier in Europa, sondern auf der ganzen Welt. Und überall wurde ihm besondere Verehrung zuteil – wenn auch der Grund dafür, wie auch das Aussehen des Tieres recht unterschiedlich waren. Lasst uns also einmal um die Erde reisen – auf dem Rücken des Einhorns:

Das europäische Einhorn

Es sieht aus wie ein Pferd, aber auf seiner Stirn trägt es ein langes, spitzes Horn, wel­ches auch Alicorn genannt wird.  Viele Arten haben gespaltene Hufe, ähnlich einer Anti­lope und den Schwanz eines Löwen. Weniger bekannt ist das schwarze Einhorn, dessen Horn blutrot bis schwarz schimmert. Schon vor dem Christentum war das Einhorn ein Göttersymbol. Als Zeichen des Mondes gehörte es ebenfalls zu der griechischen Artemis, jungfräuliche Göttin des Mondes und der Jagd, die spätere römische Diana. Das Gegenstück zum Einhorn war der Löwe. Sie beide galten als Herrscher des Tierreichs, und es soll Zeiten gegeben haben, während denen die Kampfgeräusche der beiden aus den Wäldern schallten. Wie der Löwe nach Europa kam, um dort in den hiesigen Wäldern gehört zu werden, ist wohl ein weiteres Mysterium. Später symbolisierte das Einhorn den Frühling und der Löwe den Som­mer und der Ausgang zwischen ihren Kämpfen soll die Jahreszeiten beeinflußt haben.
Eine Legende erzählt ferner, daß das Einhorn mit seinem Horn einen vergifteten Teich klärte, so daß alle Tiere daraus trinken konnten. Hauptaufgabe des Einhorns ist es außerdem, den Baum des Lebens zu beschützen.

Das indische Einhorn

Im indischen Mythos ist das Einhorn das Sinnbild der Lingham-Energie, der männlichen Zeu­gungskraft. In Südindien erzählte man von einer Form, die gleich zwei Hörner hatte, diese aber in verschiedene Richtungen. Das Eale oder Yale. Legenden sagen, daß dieses Einhorn die Hörner nur einsetzt, um sich besser verteidigen zu können. Die Südinder sollen diese Kreaturen als Wächter gegen böse Geister angesehen haben.

Das persische Einhorn

In Persien galt ein einzelnes Horn als Zeichen höchster Grausamkeit und so wurde auch das Shadhahvar als Raubtier gesehen und gefürchtet. Man beschrieb es als antilopenähnliches Wesen, dessen einzelnes geschwungenes Horn mit seinen hohlen Zacken wehmütige und verführerische Klänge erzeugte, wenn der Wind darüber strich. Diese Klänge sollen Tiere aus den Bergen gelockt haben, die diesen lauschen wollten, aber dann sofort von diesem Wesen getötet wurden.

Das chinesische Einhorn

Das Einhorn ist in China als K’i-lin bekannt. Es ist neben dem Drachen, dem Löwe und dem Phönix eines der vier heiligen Zaubertiere. Es wurde vor allen anderen Kreaturen als König der Landtiere verehrt. Wegen seiner Kraft und Weisheit war es mit dem chinesischen Drachen vergleichbar, und erschien den Menschen als Überbringer wichtiger Botschaften, mit einem Körper, der in allen Farben des Regenbogens leuchtete.
So wurde laut den Chronisten dieses Ein­horn zum ersten Male 2697 v. Chr. gesehen. Es erschien aus dem Nichts, schritt durch den Palast des Kaisers Huang-ti und verschwand. Man sah dies als Zeichen für eine glückliche Regie­rungs­zeit. In den darauffolgenden Jah­ren, so wird überliefert, lehrte Huang-ti sein Volk, mit Ziegelsteinen zu bauen, erfand Musikinstrumente und vereinte zum ersten Mal die chinesischen Stäm­me. Das K'i-lin soll dann Huang-ti am Ende seines Lebens ein zweites Mal er­schienen sein, um ihn auf seinem Rücken ins Totenreich zu tragen.

Das japanische Einhorn

In Japan wurde das Einhorn Kirin genannt. Dort schrieb man ihm einen unfehlbaren Gerechtigkeitssinn zu, und es soll hin und wieder in Gerichten erschienen sein, um den Schuldigen zu töten und den Unschuldigen zu befreien.

Übrigens erhielt das Einhorn auch im Christentum seinen Platz. Zuerst ein­mal stand es für das Schlechte und Trieb­hafte im Menschen, denn man sah in dem Horn ein phallisches Sym­bol. Später, in Verbindung mit der Jungfrau, die es als einzige zäh­men kann, mutierte es zum Symbol für Reinheit und wurde schließlich gar mit der Unschuld der Jung­frau gleichgesetzt. Zu guter Letzt stand das schöne Tier als Symbol für die Wiederauferstehung Christi – und als solches findet man es auch in vielen Kir­chen dargestellt, z.B. in der Klosterkirche in Ettal, wo das Einhorn vor dem Gnadenbild den Nacken beugt.
Das entgiftende Horn brachte dem Einhorn überdies den Ruf eines Wunderheilers ein. Nicht umsonst gibt es auch heute noch so viele ‚Einhorn-Apotheken’. Das Horn wurde auch gern als Antidot gegen alle Arten von Giften verkauft, in der Regel in Pulverform, aber auch als Stücke (oft als Fuß eines Kelchs verwandt, um jedes Gift, das evtl. in den Wein geschüttet worden war zu neutralisieren), bis hin zum ganzen Horn. Nur waren es in der Regel die Stoßzähne von Narwalen, die dafür dienen mussten – das Einhorn selbst ist eben doch zu selten.


1 Kommentar:

  1. Interessant. Ich dachte, Einhörner gibt es nur in Deutschland, Frankreich und England

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