Montag, 16. Januar 2017

Verletzung von Manuela Obermeier

Sie will nicht gesehen werden. Sie will nicht gefunden werden. Hauptkommissarin Toni Stieglitz hat sich gerade von ihrem Freund Mike getrennt. Niemand darf wissen, wo sie jetzt wohnt. Denn Mike, selbst Polizist, schlägt sie. Ihre Kollegen sollen nichts davon erfahren. Zu sehr schämt Toni sich. Jetzt aber setzt sie sich endlich zur Wehr. Zur gleichen Zeit beginnt eine Mordserie in München. Mehrere Frauen werden brutal umgebracht. Toni jagt den Mörder, doch bald wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt. Wer ist der Schatten, der nachts immer wieder auftaucht und sie verfolgt? Der Mörder? Oder ihr Exfreund Mike?

Man merkt sofort, dass die Autorin weiß, wovon sie schreibt, wenn es um Polizeiarbeit geht. Sie ist nämlich selbst Polizeihauptkommissarin von Beruf. Dementsprechend kommt alles sehr viel glaubwürdiger rüber als bei so manchem anderen Krimi, bei dem man sich manchmal an den Kopf fasst und ungläubig fragt, ob Polizisten wirklich so eigenmächtig und selbstgefällig sein dürfen, wie sie es da sind. Hier ist alles stimmig, und schon deshalb interessant zu lesen.

Die Handlung selbst verläuft in zwei Strängen, die unterschiedlicher kaum sein können. Auf der einen Seite ist es eine fesselnde – und manchmal auch erschreckende Mordserie. Auf der anderen steht ein Fall von häuslicher Gewalt. Auch dieser ist beklemmend und eindringlich dargestellt.
Der Mittelpunkt beider Handlungsstränge ist Toni Stieglitz, eine Ermittlerin, die kein Fettnäpfchen auslässt. Durch ihre Direktheit, ihr Temperament und ihre Starrköpfigkeit macht sie es ihren Kollegen und auch dem Leser manchmal schon ein bisschen schwer. Doch das ist nur ihre eine Seite – die Äußere sozusagen. Denn sie ist auch das Opfer, das von ihrem Exfreund Mike jahrelang geschlagen wurde und auch jetzt noch keine Ruhe vor ihm hat. Dass auch er Polizist ist, macht es nicht gerade leichter. Zumal er bei den Kollegen auch noch sehr beliebt ist.
Und so sucht sie immer wieder Ausflüchte und Ausreden. Rippenbrüche werden mit einem Skiunfall erklärt, blaue Flecken durch einen unglücklichen Sturz. Es gibt niemanden, dem sie sich anvertrauen kann. Auch als sie endlich auszieht, drangsaliert sie Mike noch weiter mit Anrufen und Spott. Es ist nur zu verständlich, dass das alles nicht gerade dazu beiträgt, dass Toni sachlich und kühl agieren kann. Dadurch macht sie sich noch unbeliebter – ein Teufelskreis, den sie erst am Ende durchbricht, als sie doch endlich einen Vorgesetzten ins Vertrauen zieht und Anzeige erstattet.
Da das Buch der Auftakt einer Serie ist, dürfen wir sehr gespannt sein, wie sich das noch weiterentwickelt.
Der Kriminalfall als solcher gerät da fast ein wenig ins Hintertreffen. Das ist schade, denn er ist ausgesprochen spannend. Da dir Hauptfigur nun aber gut eingeführt ist, dürfte das beim zweiten Fall schon wieder ganz anders sein.

Insgesamt ist dieser Debütroman gut und flüssig zu lesen, mit einer glaubwürdigen Protagonistin und etlichen gut gezeichneten und sympathischen Figuren. Für Münchenkenner gibt es außerdem noch viele Orte und Situationen zum Wiedererkennen und Mitverfolgen.
Ein wirklich toller Krimi.