Montag, 20. Februar 2017

Die Anderwelt – von den Medien neu entdeckt

Dieses Mal schrieb Andrea Hertz einen Artikel für uns.

Harry Potter, und der Herr der Ringe – mit der Verfilmung dieser Bücher wurde ein Revival eingeläutet: Die Anderwelt ist ‚in‘.
Inzwischen gibt es jede Menge Fantasyfilme im Kino und später im Fernsehen. Der Hobbit oder das Marveluniversum, Zombies, Drachen, Science Fiction, Dystopien oder Zeichentrickelfen. Für jeden ist etwas dabei. Die Umsetzungen sind aufwendig inszeniert voller großartiger Specialeffects. Manche sind so vollgepackt damit, dass die menschlichen Darsteller nur noch eine Nebenrolle spielen. Und ohne 3D geht eigentlich gar nichts. Die Phantastik eignet sich wie sonst nichts, die Trickkisten auszupacken. Nirgendwo sonst kann man die neuesten technischen Möglichkeiten so umsetzen und ausprobieren. Das Kind im Regisseur kann sich hier so richtig austoben. Und das tut es mit Wonne.


Natürlich kann das nicht der einzige Grund sein, vielmehr ist es so, dass, wissenschaftlich betrachtet, in diesen Zeiten großer Unsicherheit und Hektik der Mensch ganz besonders viel Sehnsucht hat nach einem Stückchen heiler Welt. Oder ist es vielleicht doch eher so, dass die Menschen, nachdem sie erst zunehmend der Natur und ihren Wesen gegenüber abstumpften, jetzt allmählich wieder sensibler werden? Welche Ansicht man auch vertritt, man wird geradezu überwältigt von der Vielfalt von Angeboten zur Anderwelt.

Da sind zuerst die beiden Filmen, die am Anfang der Entwicklung standen. Beide sind auf ihre Art grandios.

Harry Potter litt ein wenig unter der Schere, da der Film auf eine kindgerechte Länge gestutzt werden musste – man kann Kinder schließlich nicht drei Stunden lang ins Kino setzen. Aber auch der ‚Rest‘ ist sehenswert. Bei der Auswahl der Darsteller hatte man ein gutes Händchen und die Handlung hält sich geradezu bemerkenswert ans Buch, ohne dabei langweilig zu werden.

Beim Film ‚Herr der Ringe – die Gefährten‘ war der Einstieg dagegen schwieriger. Frodo Beutlin sieht nicht gerade so aus, wie man sich einen Hobbit vorstellt, sondern eher wie ein ständig verwirrter Elbenprinz – wenn auch ein recht klein geratener. Und musste Arwen denn unbedingt zu einer Kriegerprinzessin mutieren, die mit Aragorn, na was wohl, natürlich eine Liebesbeziehung eingeht? Beim Buch vermisst man es keineswegs, dass die Liebe nur am Schluss bei Eowyn eine Rolle spielt. Aber der Film konnte offenbar nicht darauf verzichten. Schade. Andere Änderungen dagegen verzeiht man gerne, so z.B. dass Merry und Pippin nur mitkommen, weil sie beim Gemüsediebstahl erwischt werden und fliehen müssen.
Aber eigentlich ist das ganz egal: Da ist Auenland, wie es im wahrsten Sinne des Wortes im Buche steht. Und Gandalf! Und die Orks sind ja wirklich zum Fürchten. Und Sam sieht wirklich aus, wie man sich einen Hobbit denkt. Und überhaupt. Ehe man es sich recht versieht, ist man schon gefangen.
Die Landschaftsaufnahmen sind überwältigend und so manche Kameraeinstellung weckt menschliche Urängste, so z.B. wenn man kopfüber in Saurons Schluchten stürzt, oder wenn in den Zwergenminen die Feinde plötzlich aus dem Stein kommen und wie Ameisen die Säulen und Wände hinablaufen, die Gefährten einkreisend.

Ein weiterer Film, der Maßstäbe setzte, war Avatar – Aufbruch nach Pandora, der im Dezember 2009 in die Kinos kam. James Camerons Film vermischt real gedrehte und computeranimierte Szenen. Große Teile des Films wurden in einem virtuellen Studio und mit neu entwickelten digitalen 3D-Kameras gedreht. Die Kameratechnik dazu hatte James Cameron über sieben Jahre hinweg mit seinem Partner Vince Pace von Pace Technologies neu entwickelt. Das Ergebnis brachte schließlich das weltweit bisher technisch ausgereifteste stereoskopische Kamerasystem hervor und ermöglichte, auch die real gedrehten Szenen direkt dreidimensional zu filmen. Dadurch konnten die real gedrehten Szenen mit den digitalen harmonisch zu einer Einheit verschmelzen. Aber diese realen Aufnahmen gehen eigentlich ohnehin in der Bildgewalt der animierten Szenen unter. Genauso wie die eigentlich recht flache Handlung: Gelähmter Marine erhält eine zweite Chance, muss sich aber entscheiden, auf welcher Seite er steht – auf der seines eigenen Volkes, das nur an rücksichtsloser Ausbeutung von Ressourcen interessiert ist, oder auf die der edlen Wilden, die mit der Natur in Harmonie leben...
2016 soll übrigens Avatar 2 in die Kinos kommen.

Inzwischen reichen anscheinend auch die Buchvorlagen nicht mehr aus. Alice kehrt also als Erwachsene ins Wunderland zurück. Und beim Zauberer von Oz erfährt man nun auch noch, wie er überhaupt nach Oz kam. Manche dieser Pre- und Sequels sind durchaus gelungen. Bei manchen hat man aber auch das Gefühl, dass sich die Autoren der Originalgeschichten im Grab umdrehen würden, sollten sie je davon erfahren, was man ihren Geschichten angetan hat.

So beeindruckend und auch wünschenswert der Trend insgesamt ist – man sollte doch sehr darauf achten, was man bei diesem Riesenangebot auswählt. Es gibt wirklich tolle Filme. Aber es gibt auch eine Menge Schrott, bei dem es nur darum geht, auf den Zug mit aufzuspringen und daran zu verdienen. So etwas aber sollte der Kinobesucher wirklich nicht auch noch unterstützen.
Andrea Hertz