Montag, 19. November 2018

Atlas der nie gebauten Bauwerke von Philip Wilkinson

Fantastisch geplant, nie verwirklicht

Ein Wolkenkratzer, der 1,6 Kilometer hoch ist und 528 Stockwerke hat, eine Glaskuppel, die den größten Teil Manhattans bedeckt, ein Triumphbogen in Form eines Elefanten, Leonardo da Vincis Stadt auf zwei Ebenen: mit den nicht gebauten Projekten wurden anspruchsvolle neue Ideen erforscht, Konventionen hinterfragt und Wege in die Zukunft gewiesen. Gesellschaft, Politik und Ästhetik der Zeit spiegeln sich in ihnen. Einige von ihnen sind Meisterwerke, andere vergnügliche Fantasien.

Manche Ideen erscheinen unglaublich kühn. Aber sie verweisen auch auf Gebäude, die Jahrzehnte später entstanden sind, wie das Eden Projekt, ein botanischer Garten unter Kunststoffkuppeln in Cornwall, oder das Hochhaus The Shard in London.

Es sind außergewöhnliche Gebäude, die hier reich bebildert vorgestellt werden. Manchmal ihrer Zeit weit voraus, manchmal kitschig, manchmal, nun, seltsam.
Dass sie nicht gebaut wurden, lag nicht (oder nur selten) daran, dass es nicht machbar war. Meistens kam eher mal ein Krieg dazwischen, eine Seuche, oder ein Regierungswechsel. Manchmal überlegte es sich ein Herrscher, der das Projekt finanzieren sollte, aber auch einfach anders. Oder der private Finanzier war pleite, bevor man so richtig zu bauen anfangen konnte.
Besonders witzig fand ich den Architekten Charles François Ribart de Chamoust. Der hatte kühne Pläne und war berühmt dafür. Aber kein einziger seiner Pläne wurde jemals umgesetzt. Eigentlich tragisch. Aber seinem Enthusiasmus tat das scheinbar keinen Abbruch.

Ich finde dieses Buch nicht nur hoch interessant, sondern auch amüsant. Denn es ist schon erstaunlich, was sich Menschen ausdenken können, um mal drin zu wohnen. Anders ausgedrückt: Fliegenpilze, in den Zwerge wohnen, sind nichts dagegen.
Beeindruckt war ich aber auch von der Weitsicht, die so manchen Architekt an den Tag legte. Manche waren ihrer Zeit einfach voraus mit ihren richtungsweisenden Ideen.