Montag, 17. September 2018

Geisternächte von André Mumot

Die Berliner Schauspielerin Kathi Bechstein verdient mit spiritistischen Sitzungen gutes Geld - auch wenn sie noch nie einen Geist gesehen hat.

Ihr Leben nimmt eine jähe Wendung, als die zehnjährige Sophie bei ihr auftaucht und ihr einen ganz besonderen Auftrag erteilt: Kathi soll mit Sophies ermordetem Bruder in Kontakt treten. Es eilt.

Was wie ein Spiel beginnt, wird bald schon bitterer Ernst. Unversehens geraten das falsche Medium und das Mädchen mit dem Glasauge in einen Strudel bedrohlicher Ereignisse - und holen Geheimnisse ans Tageslicht, die besser verborgen geblieben wären.


Ein Roman auf der Höhe der Zeit: Der Mord an einem (jüdischen?) Jungen und der Überfall auf einen Berliner Szenegänger bildet den Auftakt zu einer Geschichte, die unter anderem auch in die obskure Welt von Teufelsanbetern, Rechtspopulisten und überhaupt Fanatikern führt. Brandaktuell also, mit Bezug zum heutigen politischen Geschehen, garniert mit ein paar Versatzstücken aus der Welt des Geheimnisvollen und Übernatürlichen, ein bisschen Horror und ein wenig Grusel.
Alle Zutaten sind da und es ergibt sich ein Plot der – langweilig ist. Das Ganze ist einfach zu routiniert herunter geschrieben, um einen wirklich zu berühren. Die ersten Seiten bestehen ausschließlich aus Andeutungen, angerissenen Themen und Handlungsfetzen. Die Intention ist klar, so soll Spannung erzeugt werden. Aber irgendwann ist man als Leser einfach nur noch genervt und fühlt sich veralbert.

Jakob Bechstein, der junge Mann der ins Koma geprügelt wird, ist außerdem ein Dorian-Gray-Verschnitt (jeder liebt ihn, alle wollen bei ihm sein …). Eine Figur, die eher nervt als anrührt, und deren Schicksal einen, so schrecklich es ist, nicht so bekümmert, wie es das sollte. Auch die anderen Figuren sind nicht wirklich mitreißend. Es ist keine darunter, bei der man unbedingt wissen will, wie es mit ihr weitergeht, bei der man mitfiebert, mitleidet oder sich mit ihr freut. Am ehesten schafft das noch Sophie.
Gut, ich habe schon Schlechteres gelesen. Die Sprache ist gut, und manche Beobachtung verblüfft tatsächlich. Aber insgesamt muss ich sagen, dass mir nichts fehlen würde, wenn ich diesen Roman nicht gelesen hätte.