Montag, 1. Mai 2017

Teufelsfrucht: Ein kulinarischer Krimi. Xavier Kieffers erster Fall (Die Xavier-Kieffer-Krimis) von Tom Hillenbrand

Ein Krimi zum Genießen! Der ehemalige Sternekoch Xavier Kieffer hat der Haute Cuisine abgeschworen und betreibt in der Luxemburger Unterstadt ein kleines Restaurant, wo er seinen Gästen Huesenziwwi, Bouneschlupp und Rieslingpaschtéit serviert. Doch dann bricht eines Tages ein renommierter Pariser Gastro-Kritiker tot in seinem Restaurant zusammen – und plötzlich steht Kieffer unter Mordverdacht. Als dann noch sein alter Lehrmeister spurlos verschwindet, beschließt der Luxemburger, die Ermittlungen selbst in die Hand zu nehmen; sie führen ihn bis nach Paris und Genf. Dabei stößt er auf eine mysteriöse, außergewöhnlich schmackhafte Frucht, auf gewissenlose Lebensmittelkonzerne und egomanische Fernsehköche. Immer tiefer taucht Kieffer in die von Konkurrenzkampf und Qualitätsdruck beherrschte Gourmetszene ein – und erkennt, was auf dem Spiel steht.

Zuerst einmal: Diesen Krimi sollte man auf gar keinen Fall lesen, wenn man Diät macht. Zumindest den Anfang nicht. Später, wenn es um die Machenschaften der Großkonzerne geht, vergeht einem allerdings schnell der Appetit. In Zukunft werde ich jedenfalls nur noch mit gemischten Gefühlen auf eine Tiefkühlpizza schauen.

Tom Hillenbrand versteht es zu schreiben und mitreißende Storys zu entwerfen. Man ist schnell drin in der Handlung und dann lässt einen das Buch nicht mehr los. Der 'Held' ist der kauzige Luxemburger Koch Xavier Kieffer, der sich aus der feinen Haute Cuisine mittlerweile nichts mehr macht und in seinem kleinen Restaurant „Deux Eglises" lieber die Gaumen seiner Kundschaft mit lokalen Spezialitäten verwöhnt. Warum das so ist, erfährt man erst später – und schaut danach mit völlig anderen Augen auf den Beruf eines Kochs. 16-Stunden-Tag, nerven- und kräftezehrend, harter Konkurrenzkampf, ungeheurer Druck, immer etwas Neues und Spektakuläres zu bieten.

Kieffer wird eher unfreiwillig in einen Mordfall hineingezogen und muss schnell feststellen, dass der Tod eines Restaurantkritikers in seinem Lokal nur die Spitze eines gigantischen Eisbergs ist. Bei aller Liebe zu einem beschaulichen Leben ist seine Neugier zu groß, um die Arbeit der Polizei zu überlassen. Fortan überschlagen sich die Ereignisse.
Bis zum großen Showdown erfährt man eine Menge über Essen und Küchen. Hier hätte ich mir gewünscht, dass das Glossar am Ende etwas ausführlicher gewesen wäre. Die Begriffe, die dort standen, kannte ich meistens schon bzw. konnte ich ganz gut selber übersetzen. Die, die mich interessiert hätten, waren aber durch die Bank nicht aufgeführt. Schade. Da wäre auf jeden Fall noch Luft nach oben gewesen.
Als ein anderes Manko empfand ich die luxemburgischen Einsprengsel, die selten übersetzt wurden und mir zum Teil einfach schleierhaft blieben. Für die Handlung waren sie zwar nicht wesentlich – aber warum hinschreiben, wenn man nicht nachschlagen kann, was sie bedeuten?

Mal abgesehen davon, hat der Krimi aber wirklich alles, was ein Krimi haben soll. Geheimnisse, Verfolgungsjagden mit gewissenlosen Ex-Legionären, die keine Gnade kennen, geld- und machtgierige Halunken, undurchsichtige Praktiken, skurrile Typen, unerwartete Wendungen und sogar ein wenig Liebe. Dazu kommt ein bunter Mix aus Nationalitäten und Reisen in verschiedene Länder.