Sonntag, 14. Juli 2019

Mord auf Portugiesisch: Inspektor Valente und Polizeischwein Raquel ermitteln (Die saustarke Krimireihe aus Portugal 1) von Heidi van Elderen

Ein kleines Dorf in Portugal: Wie jedes Jahr an Weihnachten soll Fernando, ältester Sohn der Familie und Dorfpolizist, ein Schwein schlachten. Doch diesmal bringt er es nicht fertig, denn die liebenswerte Raquel ist ihm viel zu sehr ans Herz gewachsen. Und so befördert er sie kurzerhand zum ersten Polizeischwein Portugals – zum Entsetzen des ganzen Reviers. Aber dann stürzt eine Frau beim Angeln von den Klippen. Ein Unfall oder doch ein Mord? Fernando will den Fall unbedingt lösen und Raquels Fähigkeiten unter Beweis stellen – denn nur mit einem Ermittlungserfolg darf das Schwein im Polizeidienst bleiben. Sonst droht doch die Schlachtbank …

Wieder mal ein Portugalkrimi. Und vermutlich ist er genauso platt wie die anderen und besteht in erster Linie aus dem Zitieren eines Stadtplans. Dachte ich. Selten habe ich mich so geirrt.

Diese Krimi spielt nicht in Lissabon, sondern im Alentejo, einer der schönsten Gegenden Portugals, in der es nicht nur uralte Korkeichen und hervorragenden Wein gibt, sondern auch unberührte Landschaft und weite Strände. Dort, in einem kleinen Dorf, ist Fernando mit seiner Familie daheim.
Natürlich gibt es Ausflüge, zum Beispiel nach Setúbal, der nächsten größeren Stadt, oder an einen der Strände. Aber das artet nie in Wegbeschreibungen aus, die beweisen, dass der Autor eine Landkarte lesen kann. Vielmehr wird Landschaft und Atmosphäre so beschrieben, dass man merkt, die Autorin war dort schon mal und sie liebte, was sie dort sah. Wenn dem nicht so ist, kann sie das zumindest sehr gut fingieren.

Die Charaktere sind abgedreht. Aber auch hier tappt van Elderen nicht in die Falle, es so zu übertreiben, dass sich der Leser bald nur noch nach einem einfach ganz normalen Menschen dreht. Fernando, der menschliche Held, ist ein liebenswerter Kerl ohne viel Ehrgeiz und Selbstbewusstsein. Sein Schwein Raquel scheint es faustdick hinter den Ohren zu haben.
Besonders faszinierend beim Rest der Familie fand ich Mafalda, die Großmutter, ie zwar nie aus ihrem Dorf herausgekommen ist, aber eine bemerkenswerte Lebensklugheit mit viel Herz an den Tag legt.

Der Kriminalfall ist weder blutig noch spektakuläre, aber spannend. Man rät fröhlich mit und ist doch nicht auf alle erstaunlichen Wendungen eingestellt. Natürlich ist er skurril und hat mit der Realität wenig zu tun, aber das macht nichts. Man wird auf amüsante und spannende Art unterhalten und kriegt richtig ein bisschen Urlaubsfeeling. Was will man mehr?
Nun, eins vielleicht: Eine kürzeren, griffigen Titel.  Ich verstehe ja, dass man schon im Titel alles unterbringen will, was den Leser interessieren könnte. Aber das hier ist jetzt doch übertrieben!